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Was vom Cliffhanger übrig blieb

  • 19. Dez. 2025
  • 1 Min. Lesezeit

Blutige Speerspitzen zerfetzen das Fleisch, immer neue Stiche bohren sich erbarmungslos in den nackten Rücken. Hinter ihm: die Männer, vor ihm: eine Festung. Sie thront wie ein aufgerissener Zahn im Maul der Bestie. Ihre Türme sind zerbrochen, nur noch Reste – und doch höher als alles, was er je erblickt hat. Mondlicht bricht sich an den Zinnen.

Mit jedem Schritt brennen seine Oberschenkel, sein Atem kommt stoßweise. Er spürt im Nacken das faulig-süße Keuchen, ihre zischende, fremde Sprache. Plötzlich: Ein Kratzen unter dem Fels, unerbittlich wie eine Säge. Er bleibt stehen: »Nein, bitte! Dort vorne, zwischen der schwülstigen Stille und der dilettantischen Dunkelheit, da lauert wieder ein Cliffhanger!«

Er spürt, wie seine Schulter bricht. Er fällt, oder er glaubt zu fallen. Vielleicht treten sie ihn, vielleicht auch nicht. Es ist gleich. Seit zwei Tagen zerfallen die Bilder; in seinem Kopf hämmert es, als wollten die Knochen nachgeben. Und er verflucht diesen Handschlag, den er dem Falschen gab. Der Name dieses Schreibtischtäters: Sebastian Fitzek. Er lässt los. Ein Gedanke bleibt ihm noch, bevor das Ende kommt: »Und der Leser erfährt nicht einmal meinen Namen.«


Eine Handreichung für unbekannte Leser und bekannte Schreibtischtäter.



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© 2020 by Markus Mähler

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